El Sistema und Bildung für nachhaltige Entwicklung

Das normative Leitbild der Nachhaltigkeit verfolgt das Ziel, „(…) allen Menschen heute und in Zukunft ein gutes Leben im Rahmen der Grenzen unseres Planeten zu ermöglichen“ (Fischer & von Hauff, 2017, S.3). Auf der Grundlage des Nachhaltigkeit-Konzeptes des Brundtland-Berichts  (1987) wurde 1992 auf der Rio-Konferenz der Vereinten Nationen die Agenda 21 verabschiedet, in der die nachhaltige Entwicklung als gemeinsames Leitbild der Menschheit für das 21. Jahrhundert dokumentiert wird (UNESCO, 2014).

Mit der Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) haben sich die Vereinten Nationen in den vergangenen Jahren dazu verpflichtet, die Prinzipien der Nachhaltigkeit auch in Bildungssystemen zu verankern. Die Agenda 21 stellt die erste offizielle Verknüpfung von nachhaltiger Entwicklung mit der Bildung dar, indem sie sich mit der Förderung der Schulbildung, des öffentlichen Bewusstseins und der beruflichen Aus- und Fortbildung beschäftigt.

Die BNE dient speziell dem Gewinn von Gestaltungskompetenzen. Diese umschließen u.a. die Fähigkeiten, Wissen über nachhaltige Entwicklung anwenden und Probleme einer nicht nachhaltigen Entwicklung erkennen zu können. Ziel der BNE ist es, Individuen dazu zu befähigen Kompetenzen und Urteilsfähigkeit zu erwerben um nachhaltige Entwicklungsprozesse gemeinsam mit anderen lokal wie global in Gang zu setzen und aktiv und eigenverantwortlich die Zukunft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu gestalten. Auch handlungsbezogene, rationale sowie emotionale Komponenten spielen in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle (P21-Partnership, 2014).

Im Rahmen der Forschung zur kulturellen Nachhaltigkeit ist jedoch nicht ausreichend untersucht, welches Potenzial Musik hinsichtlich einer nachhaltigen Entwicklung und der Verwirklichung der SDGs hat.

Laut Hammond (2017) ist Nachhaltigkeit ist nur dann möglich, wenn sich unsere Kultur verändert. Das, was man künstlerisch als „die Kraft der Musik“ bezeichnen kann, ist ein Werkzeug, welches die menschliche und soziale Entwicklung in allen Bereichen prägen kann (Bergmann & Lindgren, 2014). Musikpädagogen, Psychologen und Soziologen haben herausgefunden, dass Musik die Entwicklung von Individuum und Gemeinschaft positiv beeinflusst. Sie leiste beispielsweise einen Beitrag zu der Schaffung von Identität, der Erzeugung physischer Energie und präge die Entwicklung der Demokratie (ebd.).

Kagan & Kirchberg (2016) befassten sich in jüngerer Zeit mit der Verbindung zwischen Musik und Nachhaltigkeit, indem sie Bereiche untersuchen, in denen Musik zur kulturellen Dimension von Nachhaltigkeit in Gemeinschaften, Gesellschaft und Organisationen beiträgt. Sie diskutieren zum Beispiel, ob kollektive musikalische Praktiken Werte fördern, die, wenn sie in Nachhaltigkeitswelten integriert werden, eine gesellschaftliche Transformation unterstützen.

Unter den wenigen wissenschaftlichen Studien, die sich auf Nachhaltigkeit und Musik beziehen, reflektiert Titon (2009) diese Beziehung aus ökologischer Sicht. Er diskutiert die Ähnlichkeit zwischen Musikkultur und dem ökologischen Denken von Organismen, Bevölkerungen und Gemeinschaften und argumentiert, dass die Entwicklung einer Kulturpolitik durch Prinzipien gesteuert werden sollte, die der neuen Erhaltungsökologie (z. B. Vielfalt, Wachstumsgrenzen, Verbundenheit, Verantwortungsbewusstsein) entspringen.

Da die genannten Fähigkeiten und Kompetenzen auch in El Sistema-Projekten geschult werden, besteht die Idee des IP darin, die Auswirkungen der auf El Sistema basierenden Aktivitäten in Europa auf Nachhaltigkeit zu untersuchen. Dies soll dazu dienen, El Sistema-Projekte in einer breiten Öffentlichkeit außerhalb der musikalischen Gemeinschaft (einschließlich und insbesondere der Nachhaltigkeit) besser bekannt zu machen.

Quellen:

Bergman, Å., & Lindgren, M. (2014): Social Change through Babumba and Beethoven Musical Educational Ideals of El Sistema. Svensk Tidskrift För Musikforskning Swedish Journal of Music Research, 96(1), 43–58. Online-Zugriff: http://musikforskning.se/stm-sjm/sites/default/files/pdf/Bergman_Lindgren_STM-SJM_2014_webb.pdf (Stand: 30.4.2019).

Fischer, D., & von Hauff, M. (2017): Nachhaltiger Konsum. Wiesbaden: Hessische Landeszentrale für politische Bildung.

Hammond, M. (2017): Sustainability as a Cultural Transformation: The Role of Deliberative Democracy. ECPR Joint Sessions. University of Nottingham.

Kagan, S., & Kirchberg, V. (2016): Music and sustainability: organizational cultures towards creative resilience – a review. Journal of Cleaner Production, 135, 1487–1502.

P21-Partnership for 21st Century Learning (2014): Framework for State Action on Global Education. Online-Zugriff: http://www.p21.org/our-work/global-education (Stand: 30.4.2019).

Titon, J. T. (2009:. Economy, ecology, and music: An introduction. World of Music. 51(1), 5–15. Online-Zugriff: https://www.scopus.com/inward/record.uri?eid=2-s2.0-77950259392&partnerID=40&md5=b2704d8f58e7a4863fbfdddc3fa21e3d. (Stand: 30.04.2019).

UNESCO (2014). UNESCO-Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms “Bildung für nachhaltige Entwicklung”. Bonn: Dt. UNESCO-Kommision.